Wie groß sollte ein Stromspeicher für Photovoltaik wirklich sein?
Ein größerer Speicher bedeutet nicht automatisch mehr Ersparnis. Entscheidend ist, wie viel Strom Ihr Haus verbraucht, wann Sie ihn brauchen und wie viel Ihre Photovoltaikanlage tatsächlich erzeugt.
PHOTOVOLTAIK · 6 Minuten Lesezeit
Wer eine Photovoltaikanlage plant, landet früher oder später bei derselben Frage: Wie groß sollte der Batteriespeicher sein?
5 kWh? 10 kWh? Oder lieber gleich etwas größer, damit später genug Reserve vorhanden ist?
Die Antwort hängt nicht von einer einzelnen Zahl ab. Ein Speicher muss zur Photovoltaikanlage, zum Stromverbrauch und vor allem zum Alltag der Bewohner passen. Ein zu kleiner Speicher ist schnell leer. Ein zu großer Speicher kostet dagegen Geld für Kapazität, die an vielen Tagen gar nicht genutzt wird.
Warum der größte Speicher nicht automatisch der beste ist
Ein Batteriespeicher soll überschüssigen Solarstrom vom Tag aufnehmen und ihn dann bereitstellen, wenn die Photovoltaikanlage gerade wenig oder keinen Strom produziert.
Typisches Beispiel: Mittags produziert die Anlage mehr Strom, als im Haus benötigt wird. Statt diesen Überschuss vollständig ins Netz einzuspeisen, wird ein Teil davon gespeichert. Abends können Beleuchtung, Fernseher, Küche und andere Verbraucher dann mit dem eigenen Solarstrom versorgt werden.
Je mehr eigenen Solarstrom Sie selbst nutzen, desto weniger Strom müssen Sie aus dem öffentlichen Netz beziehen.
Das bedeutet aber nicht, dass möglichst viel Speicherkapazität automatisch besser ist. Zu große Speicher werden häufig nicht vollständig genutzt. Die Verbraucherzentrale weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass die Speicherkapazität nicht unnötig groß gewählt werden sollte.
Diese vier Faktoren bestimmen die richtige Speichergröße
1. Ihr jährlicher Stromverbrauch
Der erste Blick geht auf die letzte Stromabrechnung.
Ein Haushalt mit 3.000 kWh Jahresverbrauch benötigt eine andere Lösung als ein Haus mit 7.000 kWh Verbrauch.
Dabei interessiert uns aber nicht nur die Gesamtmenge. Entscheidend ist auch, wann dieser Strom verbraucht wird.
Wer tagsüber zu Hause arbeitet und bereits viel Solarstrom direkt verbraucht, benötigt unter Umständen weniger Speicherkapazität als eine Familie, die hauptsächlich am frühen Morgen und am Abend Strom benötigt.
2. Die Leistung Ihrer Photovoltaikanlage
Auch die PV-Anlage muss zum Speicher passen.
Ein großer Batteriespeicher bringt wenig, wenn die Anlage nicht genug überschüssigen Strom produziert, um ihn regelmäßig zu laden.
Deshalb betrachten wir Photovoltaikanlage und Speicher immer als ein gemeinsames System.
Dachfläche, Ausrichtung, Verschattung und mögliche Modulleistung spielen dabei eine wichtige Rolle.
Auch Ost-West-Dächer können für Photovoltaik interessant sein. Eine reine Südausrichtung ist keine Voraussetzung für eine wirtschaftlich sinnvolle Anlage.
3. Ihr Verbrauch am Abend und in der Nacht
Ein Speicher soll nicht möglichst lange voll sein. Er soll arbeiten.
Deshalb ist die Frage wichtig:
Wie viel Strom benötigen Sie in den Stunden, in denen die Photovoltaikanlage nicht ausreichend produziert?
Geschirrspüler, Waschmaschine, Beleuchtung, Computer, Unterhaltungselektronik und andere Verbraucher verschieben einen Teil des Strombedarfs in den Abend.
Genau hier kann ein sinnvoll dimensionierter Speicher seinen größten Nutzen haben.
4. Was in den nächsten Jahren dazukommt
Eine Photovoltaikanlage wird viele Jahre betrieben. Deshalb sollte die Planung nicht nur den heutigen Stromverbrauch berücksichtigen.
Vielleicht kommt später eine Wallbox dazu.
Oder eine Wärmepumpe.
Vielleicht wird ein zweites Elektroauto angeschafft oder ein Teil des Hauses künftig elektrisch beheizt.
Solche Veränderungen können den Stromverbrauch deutlich erhöhen.
Das bedeutet trotzdem nicht, dass vorsorglich der größtmögliche Speicher eingebaut werden muss. Sinnvoller kann ein modular erweiterbares System sein, das später an einen höheren Bedarf angepasst werden kann.
Was passiert, wenn der Speicher zu groß ist?
Auf den ersten Blick klingt zusätzliche Kapazität nach Sicherheit.
In der Praxis bedeutet ein überdimensionierter Speicher aber häufig:
höhere Anschaffungskosten
ungenutzte Speicherkapazität
längere Zeit mit hohem Ladezustand
eine schlechtere Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems
Die letzten zusätzlichen Kilowattstunden Speicherkapazität erhöhen die Unabhängigkeit häufig deutlich weniger als die ersten.
Deshalb sollte die Speichergröße berechnet und nicht geschätzt werden.
Und wenn der Speicher zu klein ist?
Ein kleiner Speicher ist grundsätzlich kein technisches Problem.
Er wird lediglich früher vollständig geladen und am Abend schneller wieder leer.
Danach beziehen Sie wie gewohnt Strom aus dem Netz.
Die richtige Planung liegt deshalb zwischen zwei Extremen: Der Speicher sollte groß genug sein, um einen sinnvollen Teil des überschüssigen Solarstroms in die verbrauchsstarken Stunden zu verschieben, aber nicht so groß, dass ein erheblicher Teil seiner Kapazität regelmäßig ungenutzt bleibt.
Photovoltaik, Wallbox und Wärmepumpe zusammen planen
Besonders wichtig wird die Planung, wenn mehrere große elektrische Verbraucher zusammenkommen.
Eine Wallbox kann beispielsweise gezielt dann laden, wenn viel Solarstrom produziert wird.
Eine Wärmepumpe benötigt dagegen auch in Monaten viel Energie, in denen die PV-Anlage weniger Strom erzeugt.
Deshalb sollte man nicht einfach den Jahresverbrauch von Haus, Auto und Wärmepumpe zusammenzählen und daraus eine Speichergröße ableiten.
Entscheidend ist das Zusammenspiel zwischen:
Erzeugung + direktem Verbrauch + Speicher + Wallbox + Wärmepumpe
Eine intelligente Steuerung kann dabei oft mehr bringen als einige zusätzliche Kilowattstunden Batteriekapazität.
Nicht jeder Speicher bietet automatisch Notstrom
Ein Punkt wird bei Angeboten häufig übersehen:
Ein Batteriespeicher bedeutet nicht automatisch, dass Ihr Haus bei einem Stromausfall weiter versorgt wird.
Für Ersatzstrom oder Notstrom benötigt das System entsprechende technische Komponenten und eine dafür geplante Installation.
Wer diese Funktion möchte, sollte das deshalb bereits bei der Planung ansprechen.
Auch der Zählerschrank gehört zur Speicherplanung
Gerade bei älteren Häusern betrachten wir nicht nur Dach und Batterie.
Photovoltaikanlage, Wechselrichter, Speicher, Wallbox und Wärmepumpe erhöhen die Anforderungen an die Elektroinstallation.
Deshalb prüfen wir auch den vorhandenen Zählerschrank.
Bei älteren Anlagen können Anpassungen oder ein Austausch notwendig werden. Das sollte vor der Montage bekannt sein und nicht erst auftauchen, wenn die Anlage bereits bestellt wurde.
So bestimmen wir die passende Speichergröße
Für eine sinnvolle Planung brauchen wir keine pauschale Speicherempfehlung, sondern Informationen über Ihr Haus.
Wir betrachten unter anderem:
Ihren aktuellen Jahresstromverbrauch
Ihr Verbrauchsprofil
Größe und Leistung der möglichen PV-Anlage
Dachausrichtung und Verschattung
vorhandene Elektroinstallation
geplante Wallbox
geplante Wärmepumpe
zukünftigen Strombedarf
gewünschten Eigenverbrauch
gewünschte Ersatzstromfunktion
Erst daraus entsteht ein System, bei dem Photovoltaikanlage, Speicher und Gebäude zusammenpassen.
Erst rechnen, dann Speicher auswählen
Ein Batteriespeicher kann den Eigenverbrauch des selbst erzeugten Solarstroms deutlich erhöhen. Wirtschaftlich sinnvoll wird er aber nicht dadurch, dass möglichst viele Kilowattstunden im Datenblatt stehen.
Entscheidend ist die richtige Dimensionierung.
Deshalb planen wir den Speicher nicht getrennt von der Photovoltaikanlage, sondern zusammen mit Ihrem Haus, Ihrem Stromverbrauch und Ihrer vorhandenen Elektroinstallation.
Sie möchten wissen, welche PV-Leistung und welche Speichergröße zu Ihrem Haus passen?
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